Freitag, 30. August 2019

Ein bisschen was zur Geschichte des Quilts!

Auf dem amerikanischen Forum "Quilting Board" wurde ich gefragt, ob es typische deutsche Patchworkblöcke gibt: diese Frage habe ich dann in den deutschen Foren gestellt!
Es kam natürllich der "Dresdner Teller" oder "Dresden Plate", aber damit war es dann auch...
Zum Applizieren gibt es natürlich viele Muster wie Leuchttürme, Fachwerkhäuser und andere Sachen, die typisch deutsch sind.
Aber dann begann eine Diskussion, wo denn das Patchworken und Quilten seinen Anfang genommen hat und seit wann man vom "Quilten" spricht!
Ich habe dann mal in meinen Büchern geguckt, die sich ein bisschen mit der Geschichte des Quilts beschäftigen:


Die Bezeichnung "Quilt" soll sich wohl ableiten vom lateinischen "culcita", was "vollgestopfter Sack" bedeutet!

" Die Vorform des Quilts ist ein mit Blättern, Stroh oder Federn gefüllter Sack, der als wärmende Unterlage oder Decke gedient hat. Indem man durch diesen Sack hindurchnähte verhinderte man, dass die Füllung verrutschen konnte!" (1)
Gesteppte Kleidung diente auch zum Schutz gegen Kälte oder als Schutz unter Rüstungen oder als Rüstungsersatz, da man darin beweglicher war als in den metallenen Rüstungen! Im Märkischen Museum in Stendal befindet sich ein gesteppter Waffenrock aus dem 15. Jahrhundert!

Frühe Erwähnungen von Quilts stammen aus Haushaltslisten, Testamenten oder der Literatur:
in einer englischen Veröffentlichung aus dem 12. Jahrhundert: "das Bett war mit einem Quilt zugedeckt, der aus zwei Sorten Seide bestand und hervorragend und reichhaltig gearbeitet war."(1)
Und in einem anderen Buch wird erwähnt, das " sie sich in das Gras legten, denn sie hatten weder Quilts noch Kissen!" (aus The early History of King Athur, 1450)(1)
Auch in Unterlagen aus dem 15. Jahrhundert wird von "qwiltez" gesprochen, die ältesten Quilts oder wenigstens Teile von ihnen kann man in Museen in Florenz und im Victoria-andAlbert Museum in England angucken.

Da Seide und Brokat sehr teuer war, hat man von diesen Stoffen nur kleine Stücke eingearbeitet und alte und günstigere Stoffe zusätzlich benutzt: Patchwork entstand!
Und von England aus kam das Patchworken dann nach Amerika, wo es viele Anhänger fand, früher ausschließlich Frauen, heute auch von Männern betrieben. Vom einfachen Gebrauchsquilt bis hin zu künstlerischen Quilts, die mit Preisen ausgezeichnet werden und in Museen hängen gibt es in Amerika die ganze Bandbreite! Und so ist dann Patchworken und Quilten wieder zurück zu uns gekommen!

In alten amerikanischen  Zeitschriften von 1727  gibt es Anzeigen, in denen "Quilts, Teppiche und Wattierungen" angeboten werden, ...es werden auch schon Lehrgänge im Quilten angeboten"!(1)

Zitate aus (1): Petra Mattern-Pabel, Patchwork-Quilt, Geschichte und Formentwicklung

Alte Quilts sind  heute von Sammlern  sehr begehrt, 150.000 $ und mehr werden schon mal geboten!

Auch in diesem Buch von Dennis Duke/Deborah Harding "Quilts" kann man einiges zur Geschichte nachlesen.


Den ältesten Quilt, den ich bisher gesehen habe,  lag auf dem Bett von Goethe in seinem Haus in Weimar! 


Er muss auch schon ein paar Jahre alt sein.... Und er ist wohl auch echt:
"  Ebenso unverändert zeigt sich das kleine anstoßende Schlafzimmer, eigentlich nur ein Alkoven, mit einem Fenster nach dem Garten. Ein niedriges hölzernes Bett mit verblichener rosafarbener Bettdecke, ein Tischchen, auf welchem noch die letzte Medicinflasche steht, und der bequeme grün gepolsterte Lederstuhl, mit dem davorliegenden Fußkissen, welches Ottilie von Goethe einst ihrem Schwiegervater stickte, bilden das einfache Mobiliar des Zimmers, in welchem Goethe am 22. März 1832 mit den Worten „Mehr Licht“ aus diesem Dasein schied." (Wikisource, aus "Die Gartenlaube", Heft 31, 1886)

Es gibt noch sehr viel mehr zur Geschichte des Quilts, aber ich wollte hier nur ein bisschen zeigen, wie lange es schon Quilts gibt! 





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