Samstag, 13. Januar 2018

Ein wenig amerikanische Quilt-Geschichte

Schon vor einigen Jahren war bei einer Ersteigerung von amerikanischen Patchworkzeitschriften  im Internet unter anderem dieses Heft dabei: "The Art of Vintage Quilts" von McCalls Quilting aus dem Jahr 2007.
Und in dieser Zeitschrift sind Berichte von alten Quilts und ihrer Geschichte. Barbara Brackman ist die Spezialistin für historische Quilts,  sie hat viele Bücher über Antikquilts und deren Geschichte, auch über die Entstehung der Patchworkblöcke und deren erste Erwähnungen  geschrieben.
Mit ihrer Erlaubnis darf ich ihren Bericht aus dem oben genannten Heft mal hier auf meinem Blog vorstellen, da er mich doch sehr fasziniert hat!
Es geht hier um den  Zeitraum um 1850, die Zeit, als der "Civil War" Amerika spaltete, als die Sklaven sich nicht mehr in ihr Schicksal ergeben wollten und viele auf der Flucht waren in die Staaten, wo sie sicher waren!
Viele Quilterinnen haben sich damals auch geweigert, Baumwollstoffe: "Callico" für ihre Quilts zu verwenden, da die Sklaven auf den Feldern zur Baumwollernte eingesetzt waren. So wurden die Quilts damals aus Wollstoffen oder aus Seide hergestellt, was die Lebensdauer gerade dieser Seidenquilts oft doch verkürzte..
Hier die Geschichte von Deborah Simmons Coates (1801-1880): sie hat einen sog. "Antislavery Quilt" genäht, der als Besonderheit ein kleines Bild eingearbeitet hatte:

In a central patch is a small copy of the abolitionist image with the words
"Deliver me from the oppression of man."

"Befreie mich von der Unterdrückung der Menschen" steht darauf, dieses Bild wurde vielfach von Gegenern der Sklaverei verwendet: auf Kleidung, Taschen, Tüchern usw! Und diese Quilts wurden oft als Spendenquilts gearbeitet, um damit Geld für die geflohenen Sklaven zu sammeln.


Quilt attributed to the years 1830-1860,
                                                 made by Deborah Coates, Pennsylvania.

Das Besondere an diesem Quilt ist aber noch etwas anderes: 
wie wertvoll ein Quilt zu der damaligen Zeit war zeigt die Tatsache, dass er  im Zuge von Erbauseinandersetzungen in der Mitte durchgeteilt wurde! Dabei wurde auch  das kleine Bild des Sklaven  in der Mitte durchgeschnitten. 




Aber die Erben von Deborah Coates sorgten dafür, dass die beiden Hälften wieder "vereinigt" wurden: sie hängen heute im Heritage Center Museum at Lancaster County!

 

Ein kleiner Auszug vom Blogartikel von Barbara Brackman:
"Quaker Deborah Coates might have cut a piece from a similar handkerchief for her silk quilt, one of the few surviving quilts with a reference to slavery. Deborah and her husband Lindley were active in anti-slavery politics and the Underground Railroad.

In a central patch is a small copy of the abolitionist image with the words
"Deliver me from the oppression of man."

After Deborah's death in the 1880s, her offspring cut the abolitionist quilt in half, one side for each branch of the family. When their descendents decided to rejoin the pieces, they removed the binding and found the small image of the African man, which had been cut in half and hidden for decades."

 In ihrem Artikel geht Barbara auch auf die Geschichten und Gerüchte um den "Underground Railroad" ein: angeblich sollen Quilts mit bestimmten Mustern, die außen an Häusern angebracht waren, den Sklaven signalisieren, dass sie hier Schutz, Essen und Kleidung bekommen konnten. Sie hält  aber diese Geschichte für sehr weit hergeholt, dass Quilts als Geheimcodes dienten! Aber trotzdem gab es die Idee, dass Quilts mit dem "Underground Railroad" zu tun hatten, denn sie wurden zum Geldsammeln benutzt, um die entlaufenen Sklaven zu unterstützen!
Vor einigen Jahren, genauer 2011, gab es von Barbara jede Woche ein Block zum Thema "Civil War Quilt", die Blöcke hatten immer einen Bezug zu den damaligen Vorgängen! Rund um die Welt wurde mitgenäht! 

 
Weitere historische Blöcke und ihre Geschichte finden sich auf ihrem  CivilWar Quilts  Blog!

Kommentare:

  1. Liebe Regina, das war ein sehr anschaulicher Bericht, nun bekommt der Civil War Quilt noch viel mehr Bedeutung. Doch ich kann mir gut vorstellen das entsprechende Quilts aus dem Fenster oder auf die Veranden gehängt wurden als Willkommenszeichen, denk doch nur an unsere Fahnen die herausgehängt werden als Zeichen ,oder die kleinen Taschentücher als Zeichen von irgendwas.
    Der Storyteil mit dem Erbe ist auch spannend, das mansich so darum streiten kann, das dieses Werk zerschnitten werden mußte ;-( Zum Glück haben die Quilthälften später wieder zueinander gefunden.
    Irgendetwas habe ich aber nicht verstanden,der obige Quilt zeigt ja eigentlich nur Dreiecke, der untere zeigt ganz verschiedene, ist damit gemeint das jeder Civil War anders aussah?
    Jedenfalls danke für den tollen Bericht, einen schönen Sonntag, Petra

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  2. Liebe Regina, herzlichen Dank für den informativen Bericht. Ob sich unsere Erben auch mal um unsere Quilts zanken werden??? Ich wünsche dir einen sonnigen Sonntag. Grüße von Rela

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Da ich es nicht immer schaffe, mich persönlich bei Euch allen zu bedanken, an dieser Stelle ein "Dankeschön" für all Eure lieben Kommentare: ich freue mich über jeden!! Und eine Bitte: wenn jemand eine Frage hat, dann bitte gebt mir eine Möglichkeit, wie ich Euch erreichen kann!!!